Eine Brücke bauen auf dem Weg in den Job
Ausgabe vom 14.03.2009 / Lokales
von Harry Seelhoff

Kamp-Lintfort. Nach dem Schulabschluss in die Lehre – dieser Wunsch bleibt bislang vielen Hauptschülern unerfüllt. An der Hauptschule am Niersenberg unternimmt man daher alles, um die Chancen der Schulabgänger zu verbessern. Seit Februar gibt es am Niersenberg mit einer Berufseinstiegsbegleiterin einen weiteren Baustein, mit dem Rektorin Angelika Golitz den Schülern eine Brücke ins Berufsleben bauen will.

„20 Kinder aus der 9. Klasse, die möglicherweise größere Schwierigkeiten haben werden, einen Ausbildungsplatz zu finden, werden jetzt drei Jahre lang von einer Vollzeitkraft betreut", so Angelika Golitz. Drei Jahre bedeutet: noch zwei in der Schule, aber zusätzlich ein weiteres Jahr über den Abschluss hinaus. Gleichgültig, ob ein Ausbildungsplatz gefunden wurde oder der Schüler noch auf der Suche ist. „Die Schüler arbeiten gut mit", zieht Beratungslehrer Wilhelm Driesen die Bilanz der ersten Wochen. Und das mit Einverständnis der Eltern immer nachmittags nach dem Unterricht. Auch ohne solche Maßnahmen hat sich die Situation für die Abgänger der Hauptschule verbessert. „Vor vier Jahren", so Wilhelm Driesen, „hatten nur vier Schüler aus meiner Klasse einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Heute sind es 50 %." Was nichts daran ändere, dass die Lage immer noch schlecht sei.

Für die Schulleitung ist das gleichbedeutend mit der Aufforderung: Tu was! In der 8. Klasse durften die Schüler im letzten Jahr ihre Fähigkeiten in einem Benimm-Kurs testen. Beispiel: Wie benehme ich mich beim Essen mit dem Chef? Außerdem gibt's ein Bewerbungstraining; das schuleigene Berufsorientierungsbüro zeigt Schülern der 7. Klasse bei Talentchecks, wo eigene Stärken und Schwächen liegen.

Für die Schüler sei es oft völlig neu, dass sie sich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten müssten. Beratungslehrer Driesen: „Viele meinen, mit der Einladung hätten sie den Job schon in der Tasche." Damit schon beim Bewerbungsschreiben nichts schief läuft, auch dafür sorgen die Lehrer der Hauptschule am Niersenberg. Angelika Golitz: „Die Schüler schreiben es auf einen Stick, und wir kontrollieren." Und auf Wunsch werden Bewerbungen vom Schulsekretariat an die Firmen geschickt. Rektorin Angelika Golitz und Beratungslehrer Wilhelm Driesen tun, was sie können, um ihren Schülern den Weg ins Berufsleben zu ebnen. Die Schüler Phillip Auerhahn (li.) und Florian van den Hoogen sind auf der Ausbildungssuche in der Schule online.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen kommt eine Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit zu Einzelberatungen für Schüler und Eltern in die Hauptschule. Auch das Jugendbüro der Stadt ist vor Ort am Niersenberg.

  Foto: Olaf Fuhrmann