Wunsch oder Wirklichkeit ?
Ich möchte Elektroniker werden. Durch ein Praktikum im vorigen Jahr beim Bergwerk West hat sich mein Berufswunsch gefestigt. Ich durfte drei Wochen in alle drei Ausbildungsbereiche (Elektronik, Mechatronik, Mechanik) hineinriechen. Dabei habe ich mich beispielsweise mit den Sicherheitsvorschriften für die verschiedenen Werkzeuge vertraut gemacht, Zuverlässigkeit geübt und gelernt, eine Aufgabe gemeinsam mit anderen zu lösen. Mir hat das Praktikum nicht nur viel Spaß gemacht. Es hat mich auch weiter gebracht und mir wichtige Dinge fürs Leben mitgegeben. Ich kann jedem nur empfehlen, ebenfalls solche praktischen Erfahrungen zu sammeln, damit man keinen Beruf ergreift, der einem keine Freude macht.
Daniel Schmidt
Alter: 16 Jahre
Familie: Eltern und ein Bruder
Wohnen: Kamp-Lintfort
Schule: Hauptschule
Träume: Schaffen, was man sich vorgenommen hat.
Erst ein zweites Praktikum und dann einen Ausbildungsplatz.
Inzwischen ist Daniel einer der 24 Auszubildenden in der Elektrosparte auf "Friedrich-Heinrich" (wie die Zeche in Kamp-Lintfort immer noch genannt wird), die am 1. August 2006 auf dem Bergwerk "angelegt" wurden. Einziger Wunsch von Daniel, dessen Vater schon Schießmeister war: "Ich hoffe, dass ich nach meiner Ausbildung hier bleiben kann."
Denn auch er weiß, wie alle anderen, dass der Bergbau den jungen Leuten zwar eine gute Ausbildung vermittelt, doch von Übernahme keine Rede.
(Bildquelle: NRZ, 26.8.06)
Richtig arbeiten wie ein Koch
Ein Praktikumsbericht
Viele Neuntklässler in NRW gehen dieser Tage in ein Praktikum. Drei Wochen vertane Zeit ohne Schule oder erste wichtige Erfahrungen in der realen Arbeitswelt sammeln? Was die Jungen und Mädchen daraus machen , müssen sie selbst entscheiden. In unserer Serie "Auf ins Leben" sind schon etliche Jugendliche zu Wort gekommen, die die Chance Praktikum gut genutzt haben, um Berufswünsche zu klären oder herauszufinden, ob man seinen Traumberuf auch im Arbeitsalltag noch mag.Der Praxisschock"Meine Erwartungen an das Praktikum haben sich vollständig erfüllt. Ich wurde in allen Bereichen, die ein Koch zu bearbeiten hat, eingesetzt, z.B. bei Vorbereitungen für ein großes Büfett, in der Spülküche, im Garnitur- und Kochbereich. Ich fand es sehr gut, dass ich Soßen, Nudeln, Kartoffeln und Spargel kochen durfte. Außerdem habe ich alle Sorten von Fleisch und ihre verschiedenen Zubereitungen kennen gelernt.
Jens Stronk, im Jahre 2005 noch Hauptschüler der 9. Klasse der Hauptschule am Niersenberg in Kamp-Lintfort, hatte Spaß am Kochen und wollte sein Hobby zum Beruf machen. Er geht der Sache auf den Grund. Nach praktischen Erfahrungen in einer Hotelküche konnte er in die Großküche eines Krankenhauses hineinriechen. Sein Praktikumsbericht beweist, wie ernst er seine damalige Berufsentscheidung nahm:
Da man oft davon hört, wie schwierig die Arbeitszeiten eines Kochs sind, habe ich mir im Praktikum die realen Arbeitszeiten geben lassen. Das heißt, ich musste sechs Tage in der Woche arbeiten, täglich waren das zehn Stunden (mit zwei Stunden Pause). Überstunden, die nicht wenige waren, nicht eingerechnet. Ich fand es schade, dass ich erst um die tatsächlichen Arbeitszeiten bitten musste, die doch erst den richtigen Eindruck von den Anforderungen des Kochberufs geben. Ich habe mich auch selbst um eine Gesundheitsbescheinigung gekümmert. Das ist eine Bescheinigung, die man nach einem einstündigen Vortrag über Hygiene und den Umgang mit Lebensmitteln bekommt. Diese braucht man, wenn man mit Lebensmitteln in seinem Beruf zu tun hat. Die Schule übernimmt diese Kosten von 25 Euro nicht mehr.
Zudem verlangen einige Betriebe (z.B. Krankenhäuser), dass man eine Stuhluntersuchung auf eine Salmonellen-Erkrankung machen lässt. Diese kostet ca. 10 Euro, und man muss sie auch selbst bezahlen. Solche Sachen sollten meiner Meinung nach geändert werden. Ansonsten war das Praktikum für mich sehr hilf - und aufschlussreich für meine spätere Berufswahl."
Da kritisiert Jens Stronk doch glatt, dass er beim Praktikum in einer Hotelgastronomie den Chef erst um realistische Arbeitszeiten bitten muss. "Weil ich doch sonst einen falschen Eindruck von der Schwierigkeit des Berufs bekomme." Kompliment an Eltern und Lehrer. Der Junge hat begriffen, dass nach der Schule ein neuer spannender Lebensabschnitt beginnt, auf den man sich vorbereiten muss. Praktika liefern einem Berufsanfänger unverzichtbare Einblicke und Erfahrungen aus der Arbeitswelt. Für den akademischen Nachwuchs sind längere Praktika in vielen Studiengängen schon verpflichtend. Für Haupt- und Realschüler und zunehmend an weiterführenden Schulen sind sie fester Bestandteil bei der Berufsvorbereitung. Den "Praxisschock" - wie IHK-Ausbildungsfachmann Gregor Berghausen formuliert- kann man nicht auf einer Homepage mit allen möglichen Berufsinformationen oder bei einem Beratungsgespräch erleben. Der persönliche Kontakt sei wichtig, um Berührungsängste abzubauen, die viele Azubis gegenüber Chef und Kollegen haben.
Um ein Praktikum, ebenso wie später um eine Lehrstelle "muss man sich persönlich bemühen", rät Berghausen. Der erste Eindruck sage einem Ausbilder mehr als die feinste anonyme Bewerbungsmappe. Zweiter Tipp vom Experten: Nicht in die bekannten Firmen, zu den großen Namen drängen, auf die sich alle stürzen.
Ob das Praktikum bei der Berufswahl hilft oder zu einem späteren Zeitpunkt Sprungbrett in einen Job wird, hängt davon ab, was man daraus macht.